Peter Androsch

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Peter Androschs Phonographien entstehen durch Schichtung von Noten- respektive Partiturmanuskripten oder Manuskript-Teilen zu Schriftlandschaften. Ursprünglich dienten die eigenen Partituren als Basis, doch inzwischen entstehen die Klangbilder auch nach anderen Handschriften. So entstehen Lithographien, Serigraphien (Siebdrucke), Digitaldrucke u.ä. in verschiedenen Formaten und Variationen auch nach Bruckner, Mozart, Schönberg, Wagner und anderen Tonkünstlern. Zunehmend entwickelt Androsch auch Schriftcollagen nach anderen historischen Handschriften, – aus dem Bewusstsein heraus, dass jede Schrift als „Klang“-Schrift betrachtet werden kann. Zentrum des Interesses ist die Handschrift als eine der persönlichsten Äußerungen des Menschen. Und das Persönliche führt in die Welt des Klangs, denn „personare“ heißt auf Latein „durchklingen“.„Meistersinger Worte“ sind ein Tryptichon nach Richard Wagners Textbuch zur Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Jeder Aufzug dient als Vorlage für eine Schriftlandschaft. Richard Wagner selbst hat die drei Teile des Librettos „zentriert“ geschrieben. Dadurch ergeben sich graphische Gebilde, die sich baumartig in die Höhe schrauben. Zahlreiche Anmerkungen und Korrekturen erscheinen als Auswüchse, knorrige Äste, Ausbuchtungen oder Girlanden. Meistersinger Worte erscheinen als große Unikate und als Lithographien. Der „Tristan Komplex“ vereint die Phonographien, die auf einigen von Richard Wagners Handschriften um die Oper „Tristan und Isolde“ beruhen. Einmal sind das die „Wesendonck-Lieder“, ein Liederzyklus von Richard Wagner nach Texten von Mathilde Wesendonck. Mathilde Wesendonck war seit 1852 Wagners Muse, obwohl ihr Mann Otto Wesendonck den Komponisten unterstützte. Dem Verhältnis stand auch noch die erste Ehefrau Wagners, Minna, im Wege. Diese Situation spiegelt sich wider in Wagners Oper „Tristan und Isolde“. Zwei Lieder aus diesem Zyklus bezeichnete Wagner ausdrücklich als Studien zu dieser Oper („Im Treibhaus“ und „Träume“). Und dann natürlich „Tristan und Isolde“ selbst. Einen uralten keltischen Mythos – aus dem Sagenkreis um König Artus – aufgreifend, thematisiert Wagner darin eine „amour fou“, eine verrückte, verbotene Liebe, die sich nach der Einnahme eines „Liebestrankes“ Bahn bricht.

BIO

Peter Androsch

Der 1963 in Wels geborene österreichische Künstler widmet sich seit den 1990er Jahren intensiv der kompositorischen Tätigkeit. Zahlreiche Veröffentlichungen und Auszeichnungen begleiten seine Arbeit. Peter Androsch ist Lehrbeauftragter an der Universität für Gestaltung in Linz und der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Als musikalischer Leiter der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 gründete er 2006 Hörstadt, das Labor für Akustik, Raum und Gesellschaft und 2014 gemeinsam mit Bernd Preinfalk das Netzwerk europäischer avancierter Musik (neam). Immer bedeutender wird die Arbeit an den Phonographien, den Partiturbildern. Peter Androsch ist als Musiker, Komponist, Raum- und Schriftkünstler, Forscher, Schreiber und Vortragender international tätig.

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